Rezension: to reach you, I dream – um dich zu erreichen, träume ich

Arts

Von Prof Dr. rer. nat. Detlef Seydel

Dieser Titel des kleinen Buches der indischen Malerin Jyotika Sehgal, das 2018 im internationalen Verlag Lecti Book Studio erschienen ist, ist zugleich der von Sehgal ihrem dritten Bild gegebene Titel.

Dieses Bild wiederum ist die von Sehgal geschaffene visuelle Übersetzung des für den Band ausgewählten dritten Shers (d. i. ein Verspaar eines Ghazal) im ersten Ghazal (d.i. eine lyrische Gedichtform, die bereits in vorislamischer Zeit auf der Arabischen Halbinsel entstand und Dichtung und Gesang miteinander vermischt).

Die insgesamt von der Malerin ausgewählten vier Ghazals stammen vom Dichter indisch-persischer Abstammung Mirza Asadullah Baig Khan. Er ist einer der bekanntesten und bis heute beliebtesten Dichter in der Urdu-Sprache. Der Tradition entsprechend nahm er den Dichternamen Ghalib („Überragend“) an.

Im Vorwort (übersetzt aus dem Englischen von Lea Salmon) erklärt die Malerin, die sich „ein wenig auch“ als Dichterin daran begibt, den Übersetzungsprozess vom Sprachlichen zum Visuellen zu untersuchen, was sie zur Auswahl dieser vier Ghazals bewog: Sie sind auf die vier „grundlegenden Gegebenheiten des Lebens“ Schmerz, Liebe, Sehnsucht und Wahrheit bezogen.

Das ermöglichte der Malerin, die Dichtung autobiographisch aufzufassen und sie auch autobiographisch ins Bild zu übersetzen. Das sei charakteristisch für das Wesen ihres künstlerischen Schaffens. Aus den auf diese Weise durchweg in leuchtstarker und farbintensiver Ei-Tempera entstandenen insgesamt vier (Shers) mal vier (Ghazals), also sechzehn Bildern spricht jedenfalls durchweg Schmerz, Liebe und Sehnsucht. Fröhliche Leichtigkeit lässt sich nirgends ausmachen.

Jyotika Sehgal

Beispielgebend soll hier das Zusammenwirken von Ursprungsdichtung (Ghalib), visuelle Übersetzung (Sehgal) und Titelgebung (Sehgal) anhand des eingangs erwähnten Falls herausgestellt werden:

Ich bin überzeugt, dass du nicht ignorieren würdest, aber zu Asche würde ich zu der Zeit, in der du um mich wüsstest“ (Ghalib).

Sehgal übersetzt das visuell in ein Bild, in dem ihr Selbst dreifach erscheint, einmal als Sitzende, die wiederum ihr Selbstporträt in der Linken hält und einmal als Liegende, die das Porträt ihres Geliebten betrachtet, das unter ihr am Boden liegt. Umgeben ist die Szenerie von traumartigen Sequenzen, einem Feuer (das ihr Selbstporträt in Asche zu wandeln droht) und einer winterlich anmutenden leeren Straße.

Dem Bild ist der Titel „um dich zu erreichen, träume ich“ gegeben (Sehgal). Der Rezensent meint eine Entwicklung in der Abfolge aller sechzehn Bilder herauslesen zu können; eine Erzählung die von Sehnsucht über die Liebe zum (Trennungs-)Schmerz führt.

Das wird auch durch die vierzeiligen Gedichte bestätigt, die gewissermaßen jedem Ghazals gegenübergestellt sind und die, aus den vier Titeln der Bilder des zugehörigen Ghazals zusammengefasst, jedes der vier (Ghazal-)Kapitel abschließen.

Das letzte dieser Gedichte der Malerin lautet (übersetzt aus dem Englischen von Tatjana Krzemien):

Da wir jetzt getrennt sind / ein Blick und sonst nichts / Erinnerungen fließen / umarmen und fallen.

Ein Nachwort:

Der Bitte einer Rezension des Büchleins kam ich gern nach, obwohl mir bewusst war, dass ich mich als Sammler der Werke dieser herausragenden Künstlerin (in meinem Besitz befinden sich zur Zeit vier groß- und zwei kleinformatige Arbeiten, sowie eine Kleinplastik) einer besonderen Anforderung an Objektivität zu stellen hatte.

Das Buch eröffnet die loom mool-Reihe im Verlag Lecti Book Studio, die sich experimenteller, mehrsprachiger, künstlerischer Werke zuwendet. In der Tat, dem Verlag ist mit diesem Werk eine würdige Eröffnung gelungen.

Arts
A journey from poetry to painting

National Award winner and painter Jyotika Sehgal was inspired by the Urdu poet Mirza Ghalib (1797–1869) to present the lingual to visual translation process. While writing and creating works in the translucent medium of Egg-Tempera from his Ghazals, she imagined him as herself, a painter, and saw herself coming closer to become a poet.

Arts
Phoenix’ Room

by Renata Nalysnyk
Sometimes it happens that the most successful projects begin with a great love. This one is exactly like that. This story is about a great dream, friendship, love, creativity, music, culture and art.

Book Fair
Experiences at the Helsinki Book Fair 2016

As a group of five students from Bielefeld University, we have been to the book fair in Helsinki to work at Lecti Book Studio’s stand. In the following “chain interview” we are talking about our experiences by interviewing each other. Participants: Florian, Janine, Katrin, Jana and Tatjana.